Souveränes Auftreten – Wohin mit dem Lampenfieber?

Janina Rüger(Musikerin, Coach) 

Déjà-vu: Vor dem Meeting, dem Vortrag oder einem Mitarbeitergespräch: Die Hände flattern, der Magen ist flau. Lampenfieber ist ein uraltes Phänomen.  Jeder kennt es, jeder hat es schon überwunden. Ursprünglich lebenswichtig kann es heute eine große Belastung sein. Je nachdem, ob wir es als anregend oder als bedrohlich empfinden und der erfolgreiche Umgang mit diesem Thema entscheidet nicht selten über Erfolg oder Misserfolg.

 

Im Idealfall schaffen wir die Balance zwischen vorbereitetem Inhalt und Spontanität, so dass wir frei sprechen und sogar souverän auf einen kleinen Witz oder eine kleine Panne reagieren können. Doch was steht so oft zwischen uns und dem Abrufen und Präsentieren von dem, was wir doch eigentlich können?

Lampenfieber steht uns nicht selten im Weg, es hemmt unsere Leistungsfähigkeit. Mit dem Fachlichen scheint es oft gar nichts zu tun zu haben.

Jeder Musiker auf der Bühne setzt sich sein ganzes Berufsleben hindurch ständig damit auseinander. Da sind zunächst einmal die körperlichen Aspekte: Die Hände sind kalt oder schwitzig, vielleicht zittern sie. Der Puls geht nach oben. Die Knie fühlen sich an wie Wackelpudding. Im Kopf tauchen Gedanken auf, die in dieser Situation nun wirklich nichts dort verloren haben: Habe ich die Kaffeemaschine ausgemacht? Schaut mich der Herr links dort nicht komisch an? Oder wir gehen gegen unseren Willen die möglichen Pannen durch: Wenn jetzt die Technik versagt… Wenn jetzt eine Frage kommt, die ich nicht beantworten kann… Wenn jetzt jemand merkt, wie aufgeregt ich bin… Solche Dinge lenken ab. Sie nehmen unsere Konzentration für sich in Anspruch und das Ausblenden funktioniert nicht so einfach.

Freunde und Kollegen versuchen oft, uns mit den verschiedensten Tricks zu helfen. Als Musikstudentin wurde mir sogar mal empfohlen, mir das Publikum nackt vorzustellen. Meiner Erfahrung nach auch keine große Hilfe, denn mein Publikum gedanklich lächerlich zu machen, stimmt nicht mit dem Wunsch überein, von eben diesem Publikum ernst genommen zu werden.

 

Und doch ist es möglich, den Umgang mit diesen Faktoren zu lernen. In diesem Satz liegt bereits der erste Schritt in dies zu bewerkstelligen. Es sind Faktoren, mit denen wir umgehen können. Wir können sie nicht verhindern. So wenig wie das Wetter. Vielleicht eignet sich das derzeitige Wetter ganz gut als Beispiel: Die Medien sprechen von Schneechaos und Winter-„Einbruch“. Das hört sich nach einer Gewalt an, die uns überrollt und dann hilflos zurück lässt. Doch in den meisten Regionen Deutschlands ist einfach Winter, im Dezember nicht so ungewöhnlich. Und mit Winterreifen und vielleicht einem Fahrsicherheitstraining können wir lernen, damit umzugehen und nach und nach vielleicht etwas langsamer als im Sommer, aber dennoch souverän ans Ziel zu kommen. Eigentlich ganz pragmatisch. Ein äußeres Phänomen beeinträchtigt meine Sicherheit und mein Vorankommen. Also lege ich mir Strategien für den Umgang damit zu. Die wenigsten von uns bleiben den Winter über einfach zuhause. Vielleicht ist es ganz sinnvoll, Aspekte wie Nervosität vor einer Präsentation mal so nach außen zu verlagern wie den Schneematsch auf der Straße.

Dieses Fahrsicherheitstraining kann beim Thema Lampenfieber ein Präsentationstraining, das zum Beispiel die Körpersprache und die körperlichen Reaktionen in den Fokus rückt, sein oder auch ein Sprachtraining. Dazu müssen wir rausfinden, welches unsere ganz persönlichen Störfaktoren sind. Die meisten von uns können ganz genau beschreiben, wie sie sich vor und während einer Präsentation fühlen: Ich bin verkrampft, fühle mich irgendwie klein, meine Stimme zittert oder der Magen ist flau. Je genauer ich mich selbst in dieser Situation beschreiben kann, umso gezielter kann ich meinen Selbststörungen arbeiten.

 

Hier ein Beispiel aus meiner eigenen Bühnenerfahrung. Vor einem Konzert noch während meines Studiums flatterten plötzlich meine Hände. Sie waren kalt und ich hatte das Gefühl, sie gar nicht mehr steuern zu können. So als ob der Einfluss meines Willens irgendwo im Unterarm aufhörte. Gleichzeitig schossen mir hunderte Gedanken durch den Kopf: Es sieht jetzt gleich jeder, dass ich so fahrig bin. Wie soll ich denn mein Programm spielen, wenn die Hände nicht mehr tun, was ich will. Ich habe jetzt keine Zeit dafür. Ich war in Hektik und gleich darauf in Panik. Die Atmung wurde immer schneller, was wiederum die Hektik verstärkte.

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt von dem, was man vor und während einer Präsentation so durchmachen kann. In den Jahren danach war das eines der bestimmenden Themen meiner Arbeit.

Ein ganz wesentlicher Teil davon ist die Atmung. Unser Körper wird zu einem großen Teil über die Atmung gesteuert. Wenn ich renne, gehen Puls und Atemfrequenz nach oben. Das passiert auch, wenn ich aufgeregt und nervös bin. Durch eine bewusste Atmung kann ich umgekehrt auch trainieren, den Körper wieder mehr in Ruhe zu bringen.

In der Ausbildung spielen solche Techniken oft keine Rolle. Und das, obwohl sich inzwischen unzählige Business-Portale damit beschäftigen, wie hoch der prozentuale Anteil von stilsicherem und souveränem Auftreten am Erfolg sein könnte.

In jedem Fall ist es kein Schicksal, ob ich selbstbewusst und sicher präsentieren kann. Schritt für Schritt kann jeder lernen, kompetent und gelassen sein Publikum zu überzeugen.

 

Janina Rüger

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